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Zusammenarbeit mit dem Paracelsus-Spital

Das Spital Einsiedeln spannt seit Ende 2019 im Bereich Chirurgie mit dem Paracelsus-Spital in Richterswil zusammen. Lukas Krähenbühl, Professor und Leiter der Klinik Chirurgie am Spital Einsiedeln, übernimmt die Verantwortung für beide Spitäler.
Kleinspitäler geraten durch ökonomische Spannungsfelder und immer mehr politische Auflagen unter Druck. Um sich im Markt besser zu positionieren und für die Patienten eine medizinische Rundumversorgung zu gewährleisten, gehen regionale Kleinspitäler nun immer öfter den Weg der medizinischen Vernetzung und der interdisziplinären Zusammenarbeit mit einem anderen Krankenhaus – so auch das Spital Einsiedeln zusammen mit dem Paracelsus-Spital. Mit Erfolg.

«Durch die Vernetzung können wir Synergien nutzen und es entsteht ein grosses Ganzes.»

Interview mit Lukas Krähenbühl, Professor und Leiter der Klinik Chirurgie

Lukas Krähenbühl, Vernetzung in der Medizin wird für kleinere Spitäler immer wichtiger und dieser Tage sogar unumgänglich. Warum?
Vor allem in den ländlichen Regionen ist die Vernetzung unter kleineren und grösseren Spitälern tatsächlich ein grosses Thema. Oberstes Ziel muss es sein, den Patienten in den peripheren Regionen ein breites medizinisches Spektrum auch ausserhalb der grossen Städte und Zentren anzubieten. Vernetzung hat aber noch einen weiteren wichtigen Aspekt. Wenn wir uns beispielsweise mit einem Universitätsspital vernetzen – und das hat das Spital Einsiedeln getan –, so sind wir mit dem medizinischen Wissen auch immer auf dem neusten Stand und können vom Forschungswissen der grösseren Institution profitieren.

Das bedeutet, ohne Vernetzung steht den Patienten an einem Kleinspital nur ein beschränktes medizinisches Angebot zur Verfügung?
An einem kleinen Regionalspital können wir nicht mehr das gesamte medizinische Spektrum anbieten. Unter dem Aspekt der Patientensicherheit ist das auch absolut vernünftig. Ein Grossspital wird heutzutage überrannt mit komplizierten und «grossen» Fällen der hochspezialisierten Medizin. Somit fehlt ihm die Kapazität für kleinere und alltäglichere Eingriffe. Diese wiederum werden dann vor allem an den kleinen Spitälern vorgenommen. Dieser Umstand führt zwangsläufig zu einer Vernetzung beider Seiten und ist daher für beide sehr wichtig. Vernetzung rückte in den vergangenen 10 bis 15 Jahren durch die fortschreitende Spezialisierung der Medizin also immer mehr ins Zentrum.
Eine solche Vernetzung bringt viele offensichtliche Vorteile mit sich. Aber wahrscheinlich nicht nur?
Das ist richtig. Es gibt auch Nachteile. Es kann beispielsweise sein, dass Patienten aus ländlichen Regionen nach einem Eingriff in einem Grossspital nicht mehr zu uns zurückkommen und nicht mehr vom regionalen Versorgungsnetzwerk profitieren wollen. Sie gehen dann oft nicht mehr zum Hausarzt, sondern nutzen die spezialisierten Sprechstunden der Zentrumskliniken. Dieser Gefahr müssen wir mit einer soliden Vernetzung in der Region entgegenwirken. Glücklicherweise gelingt uns das sehr gut. Die Patienten in der Region Einsiedeln sind «ihrem» Spital gegenüber sehr loyal, schätzen das breite Angebot und kommen auch nach einem grossen Eingriff an einem Zentrumsspital gerne wieder zurück in unser Setting hier in Einsiedeln.

Ende 2019 ging das Spital Einsiedeln eine enge Zusammenarbeit mit dem Paracelsus-Spital in Richterswil ein. Sie haben dieses Projekt vorangetrieben und verantworten nun die Chirurgie an beiden Institutionen.
Ja, es ist auch enorm wichtig, dass man sich nicht nur mit den grossen Spitälern vernetzt, sondern eben auch mit kleinen. Denn so kann man Synergien nutzen und es entsteht ein grosses Ganzes. Diese Form der Kooperation verringert nicht zuletzt die Kosten für die involvierten Spitäler markant. So können kleine Spitäler auch spezielle und komplizierte Eingriffe anbieten, die für eine einzelne Einrichtung schlicht zu teuer wären. Die Vorteile der Zusammenarbeit zwischen dem Spital Einsiedeln und dem Paracelsus-Spital sind offensichtlich: Wir von Einsiedeln konnten uns beispielsweise mit der Onkologie und der Gastroenterologie des Richterswiler Betriebs vernetzen. Das Paracelsus-Spital profitiert dafür von unserer Chirurgie. Durch den Betrieb eines chirurgischen Ärzteteams an beiden Standorten können wir unsere Position als anerkannter Grundversorger in der Chirurgie – und speziell in der Viszeralchirurgie – stärken. Bis anhin gab es in der Region in diesem Bereich nur eine lose Zusammenarbeit verschiedener Gruppierungen. Das hat sich nun geändert.
Was sind denn die konkreten Vorteile dieser Zusammenarbeit für die beiden Spitäler?
Meine Hauptkompetenzen als Viszeralchirurg sind die Laparoskopie und die chirurgische Betreuung von Patienten mit Tumorerkrankungen. Das Paracelsus-Spital wiederum betreibt eine integrative Onkologie. Die Hauptpartner in dieser Kooperation sind für uns also die Onkologen, weil wir in Einsiedeln keine haben. Zudem verfügen wir durch die Kooperation nun über ein Tumorboard. So können wir jeden einzelnen Fall interdisziplinär nicht nur mit dem Onkologen und dem Chirurgen, sondern zusätzlich mit dem Gastroenterologen und dem Radiologen besprechen und einordnen. Früher mussten wir dafür auf grosse Zentrumsspitäler ausweichen.

Die Zusammenarbeit inklusive der von den Ärzten des Spitals Einsiedeln abgedeckten chirurgischen Sprechstunden in Richterswil ist sehr gut angelaufen. Wie kam diese Vernetzung überhaupt zustande?
Ich suchte schon seit Längerem nach einer Lösung. Ich fragte mich: Wo in der näheren Umgebung gibt es ein Tumorboard- und ein Onkologie-Setting? So kam ich auf das Paracelsus-Spital, suchte das Gespräch mit den Verantwortlichen und konnte als Viszeralchirurg bald darauf zum ersten Mal an einem seiner Tumorboards teilnehmen. Aus dieser Annäherung resultierte letzten Endes unsere Zusammenarbeit. Von dieser Interdisziplinarität profitieren nun die Patienten in der Region enorm. Zuvor hatte dem Paracelsus in diesem Tumorboard das Element der Viszeralchirurgie gefehlt – vor allem die Beratung in Bezug auf komplexere Eingriffe etwa an der Leber oder der Bauchspeicheldrüse. Dadurch gingen viele Patienten verloren, weil sie in eine Zentrumsklinik geschickt werden mussten. Das Paracelsus-Spital seinerseits betreibt wie bereits erwähnt eine sogenannte integrative Onkologie. Dabei werden die klassischen Behandlungsmethoden durch komplementärmedizinische ergänzt. Immer mehr Patienten suchen genau dieses Angebot. Aus diesem Grund hat das Paracelsus-Spital Zuweisungen aus der ganzen Schweiz. Das macht das neue Versorgungsnetzwerk der beiden Spitäler noch viel stärker.
Vernetzung spielt auch in der Radiologie und den bildgebenden Verfahren eine wichtige Rolle. Inwieweit sind bildgebende Verfahren und die radiologische Infrastruktur am Spital Einsiedeln für die Arbeit eines Chirurgen relevant?
Ohne die heutigen bildgebenden Verfahren wäre es für mich als Viszeralchirurg schwierig, meine Arbeit zu machen. Vor allem in der Tumorchirurgie sind radiologische Aufnahmen vor jedem Eingriff Standard. Zudem ist der Austausch mit dem Radiologen immer enorm wichtig. Was wir in der Chirurgie häufig brauchen, ist der Computertomograph. Dank der heutigen radiologischen Infrastruktur am Spital Einsiedeln haben wir nun viel mehr Möglichkeiten. Denn durch den neuen Computertomographen ist die Bildgebung noch einmal massiv besser geworden. Aber auch die Magnetresonanztomographie ist für die Chirurgie relevant – besonders für Eingriffe an Leber und Pankreas. Grundsätzlich kann ich festhalten: Im Bereich Radiologie ist in den letzten Jahren enorm viel passiert. Noch vor 20 Jahren wurden sehr viele Operationen durchgeführt, die nicht hätten sein müssen. Das ist heute zum Glück anders.

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